Was ist für uns als Menschen wichtig, um spirituell wachsen zu können?

Wer sich auf die spirituelle Suche nach sich selbst begibt, taucht tief, bis zu seiner Essenz.

Auf diesem Weg zum Sein machen wir uns auf, öffnen uns vollkommen, sind verletzlich und zeitweise stehen wir auch völlig ohne jedes funktionierende Konzept da.

Wir erlauben, dass unsere Festplatte neu beschrieben wird (ja wir sehnen uns brennend danach, wenn unsere alten Gedankenmuster Leid erzeugen, das Leben bedrohlich erscheint oder die Vergänglichkeit in unserem Leben sichtbar wird).

In dieser Zeit brauchen wir eine geborgene, sichere Umgebung, einen liebevoll-wertschätzenden Umgang und ein großes Vertrauen in den Lehrer, der uns da gerade begleitet. Solange, bis der Lehrer überflüssig wird „Triffst Du Buddha unterwegs, dann töte ihn“ sagen die Buddhisten.

Da in unserem vielfältigen Universum alle Schattierungen existieren, gibt es auch immer wieder Lehrer, oder Situationen in denen ein spiritueller Lehrer seine menschlichen Unstimmigkeiten in seinen Umgang mit seinen Mitmenschen verwebt. Die weltlichen Strukturen geben das ihre dazu und es kann zu sehr verletzenden Erlebnissen kommen.

z.B. das Zusammenspiel von Unterwürfigkeit und Macht. Das eine bringt das andere hervor, in beide Richtungen. Dies zu wissen ist wichtig, weil es Eigenverantwortlichkeit ermöglicht, weil es jeder Seite die Möglichkeit gibt, etwas an dieser ungesunden Beziehung zu ändern.

Die folgenden Fragen geben eine Anregung, um sich selbst zu reflektieren. Und dadurch immer mehr Selbst-Bewußtsein zu entwickeln.

Wie erkenne ich Manipulation durch Selbstreflexion?

fWas erhoffe ich mir von meinem spirituellen Weg?   

  • dass sich alle Probleme lösen?
  • Erleuchtung?
  • (garantierte) Gesundheit?
  • finanzielle Fülle?
  • das ich meinen Lebenspartner finde?
  • …?

Verspricht oder garantiert mir mein Lehrer, dass ich dies auf alle Fälle erreichen werde?

Dann ist schonmal Vorsicht geboten, denn dies sind menschliche Wünsche. Dafür ist der spirituelle Lehrer nicht zuständig. Sein Job ist es, Dich mit Deinem Sein vertraut zu machen.

Das Versprechen von Belohnungen, gleich welcher Art, bindet Dich an Deine Wünsche und gibt dem Lehrer weltliche Macht über Dich. Es sind Ankerstellen für Manipulation und die Wünsche seines Egos.

Muss ich etwas leisten, mich verändern, jemand sein  –  oder kann ich einfach sein?

Es lohnt sich, diese Fragen Dir gegenüber ganz ehrlich und authentisch zu beantworten.

Falls Du Dich in einer oder mehrerer Fragen wieder findest, heißt das nicht, dass es verkehrt ist, Du das loswerden musst o.ä. Es hilft Dir, Deine menschlichen Ankerstellen kennen zu lernen und wach zu sein, wenn sie Dich in eine verzwickte Geschichte führen wollen.

Möchte ich zeigen, dass ich ein besonders motivierter Schüler bin und gehe deshalb über meine Grenzen?

Möchte ich beweisen, wie demütig ich bin und himmle meinen Lehrer an (denn irgendwen muss ich ja dann erhöhen)?

Möchte ich zeigen, dass ich spirituell schon sehr weit bin und deswegen alles in Gleichmut annehmen kann, egal wie verletzend mich jemand behandelt?

Möchte ich dadurch auffallen, dass meine Yogastunden die intensivsten in ganzen Landkreis sind?

Möchte ich z.B. Anerkennung darüber, dass ich ein besonders mitreissender Musiker, gelenkiger Yogi, sensibler Zeitgenosse bin?

Erfülle ich mein Bedürfnis, das was für mich gerade dran ist, oder meinen Drang gefallen zu wollen?

Bewege ich mich im Menschlichen oder bin ich gerade im Göttlichen? 

       Bewegt sich mein Gegenüber im Menschlichen oder ist im Göttlichen?  

Die Unterscheidung, ob es um menschliche oder göttliche Eigenschaften geht, kann viel Klarheit bringen.

Es gibt Momente, da weiß und fühle ich, dass ich unendlich bin. Nehme es wahr als Nichts, Sein, Licht, Liebe oder Einheit. Wunderbar, das ist auch schon das Göttliche.

In anderen Momenten plagen mich menschlichste Sorgen, Nöte, Ängste, verhalte ich mich gereizt, ungeduldig oder in irgendeiner Weise unauthentisch. Logischerweise bin ich dann immer noch ein göttliches Wesen, aber ich nehme es in diesem Moment nicht wahr.

Mein Lehrer ist augenscheinlich auch in einem menschlichen Körper, mit menschlichen Grundfunktionen. Es kann durchaus sein, dass ihm auch etwas sehr menschliches entfährt, das ich als solches wahrnehmen darf.

Meinte ich, komplett seine Verhaltensweisen annehmen zu müssen, um dem Göttlichen näher zu kommen?

Habe ich seine menschlichen Regungen vergöttert?

Hege ich die Hoffnung, alles menschlich unangenehme los zu werden und projiziere absolute Reinheit usw. auf ihn?

Spüre ich Widerstände in mir als solche (sie dürfen ja durchaus da sein), oder rechtfertige ich sie als gerade unbedingt notwendig? Macht mein Lehrer das?

Fühle ich mich wahrgenommen?  –  oder bekomme ich nur Ratschläge?

Kritik ist eine fabelhafte Sache, wenn sie zutrifft und ich sie annehmen kann. Dann lässt sie mich blinde Flecke sehen, zeigt mir, wo ich mich klein mache oder überhebe „um zu…(siehe oben)“ und kann sehr befreiend sein. Tatsächlich kann sie im ersten Moment schmerzen, da das Selbstbild doch bedeutend schöner und polierter war. Wenn sie wertschätzend, erhebend und dem entsprechend ist, was eben gerade ist, dann ist sie wie ein Same meines Selbst, der sich darauf freut, zu wachsen.

Habe ich um die Einschätzung durch meinen Lehrer gebeten, war ich also in diesem Moment dafür offen?

Durfte ich von mir und meiner Frage erzählen?

Wußte ich, dass es eine Bewertung geben wird ? (z.B. Wenn ich in der Ausbildung Probeunterricht gebe, weiß ich, dass es danach eine Rückmeldungsrunde gibt.)

Oder hat mich der Lehrer überrumpelt und mit etwas konfrontiert, was in diesem Moment für mich nicht zugänglich war? Mich überfordert hat und zum Rückzug geführt hat?

Hat er mir ungefragt Ratschläge erteilt, ohne mir vorher zu zuhören?

Dann ist die Frage, was der Lehrer in dem Moment nicht aushalten konnte, was ihn getrieben hat. Das ist definitiv übergriffig und kann äusserst verwirrend sein.

Genauso wichtig ist die Selbstreflexion andersherum:

Benutze ich meinen Lehrer als unbezahlten Therapeuten? Traue ich mich nicht in eine professionelle Behandlungssituation hinein, in der es tatsächlich um mich geht?

Trete ich ihm als göttliches Wesen gegenüber, das sich seiner menschlichen Anteile bewußt ist, oder begebe ich mich in die Rolle eines Kleinkindes, das von Vater oder Mutter versucht, soviel wie möglich zu bekommen?

Behandle ich meinen Lehrer als menschliches Wesen, oder mute ich ihm meine Emotionen und Projektionen in einer Art zu, als hätte er kein Recht auf Unversehrtheit?

Was passiert mit meinem Selbstbewußtsein, wenn ich mich so verhalte?

Ich als Teil der Gruppenenergie

Das wunderbare im Kundalini Yoga ist die Gruppenenergie, die sich aufbaut, egal welcher Lehrer vorne sitzt und unterrichtet.

Sie ermöglicht die Erfahrung, dass der Weg zu Dir Selbst und in Dein göttliches Sein nicht von einem bestimmten Lehrer abhängt. Dass die ganze Gruppe das intensive Energiefeld mit gestaltet. Dass Du jetzt schon ein Teil vom großen Ganzen bist. Vollkommen, absolut liebenswert und frei.